1904 wurde der Umbau der ursprünglichen «Wirtschaft zur Kreuzbuche» in Flühli nach mehreren Etappen vollendet. Das fortan als «Hotel und Kurhaus Flühli» bezeichnete stattliche Gebäude war das Werk des aus dem Grossherzogtum Baden stammenden Leo Enzmann (1825-1901) und seines Sohnes gleichen Namens.


Bereits in der ersten Hälfte des 18. Jahrhundert bestand in Flühli – damals «Hinter Klusstalden» - ein Gasthaus, obwohl ein Dorf noch fehlte. Es war die Herberge «Kreuz und Buoch» auf dem «Flüöli», einem Felsabsatz über der Waldemme. 1781 musste die Gaststätte dem Bau der Kirche weichen. Der Besitzer, ein Jakob Danner, durfte unweit davon auf dem Talboden ein neues Gebäude errichten und erhielt das Realwirtsrecht (oder Tavernenrecht). In der Folge wechselte das «Wirtshaus zur Kreuzbuche» recht oft den Besitzer, bis es 1858 durch Leo Enzmann, damals noch deutscher Staatsangehöriger, erworben wurde.


Zunächst als Glaser unterwegs


Leo Enzmann kam in Flühli zur Welt, und zwar in der Glasersiedlung «Chrage», zirka drei Kilometer südöstlich des Dorfes. Er war der Sohn des Glasschleifers Eugen Enzmann, der 1835 im Dorf das vor wenigen Jahren abgerissenen Haus «Sagemätteli» erbaute. Nach seinen Wanderjahren als Glaser gründete Leo Enzmann zusammen mit Verwandten eine Glasfabrik in Küssnacht an der Rigi. Hier verheiratete er sich 1851 mit Magdalena Roos aus Flühli. Der Verbindung entsprossen bis 1864 fünf Söhne und fünf Töchter. Nach einigen Jahren in Küssnacht verkaufte Leo Enzmann seinen Anteil und ging nach Wolterdingen im Grossherzogtum Baden. Auch hier widmete er sich der Glasfabrikation.


1858 Niederlassung in Flühli


Das Heimweh seiner Gemahlin, so ist überliefert, bewog Leo Enzmann, mit seiner Familie nach Flühli zurückzukehren. 1858 kaufte er hier zum Preis von 13’000 Gulden die Wirtschaft zur Kreuzbuche. Damals sollen die Wirtschaften in Flühli in schlechtem Ruf gestanden haben; sie seien ein Kampfplatz jugendlichen Übermuts gewesen. Der junge, mit ungewöhnlicher Körperkraft ausgerüstete Wirt Leo Enzmann sei diesem Übelstand mit aller Energie und bestem Erfolg entgegengetreten, vernimmt man im Nekrolog nach seinem Tode. Das Gasthaus zur Kreuzbuche wurde zu einem der bekanntesten und beliebtesten Treffpunkte weit herum.


Schweizerbürgerrecht erhalten


Als deutscher Staatsangehöriger musste Leo Enzmann regelmässig beim Kanton die Niederlassungsbewilligung erbeten. Das machte keine Schwierigkeiten, denn schliesslich waren er und seine Gattin in Flühli geboren und aufgewachsen. Es kam aber die Zeit, wo ihre erwachsenen Söhne in Deutschland Militärdienst leisten sollten. Das war mit ein Grund, weshalb Leo Enzmann für sich und seine Familie um den Erwerb des Schweizerbürgerrechtes nachsuchte. Zwei Ortsbürgerversammlungen waren 1876 nötig, bis ihm dieses zuteil wurde.


Pionier des Kurwesens


1878 verwirklichte Leo Enzmann den Gedanken, Flühli zu einem Kurort zu erheben. Zählte man im ersten Sommer lediglich fünf Gäste, so waren es 1885 bereits 150. Als Besonderheit wurden Trinkkuren mit Schwefelwasser angeboten. Schon 1862 hatte Leo Enzmann in der Kurzenhütten eine Schwefelquelle erworben. Die Absicht, ein Badehaus zu bauen, wurde nie verwirklicht, hingegen wurde das Wasser ins Kurhaus getragen. 1881 wurde das Haus Felsenegg erworben und als Dépendance genutzt.


Der Pionier des Kurwesens in Flühli starb im Mai 1901. Unter seinem Sohn Leo vollzog sich etappenweise der Umbau des alten Gebäudes zum «Hotel und Kurhaus Flühli», der 1904 vollendet war. Im Sommer gingen zahlreiche ausländische Gäste ein und aus. Mit einem früheren Glaserhaus im Thorbach erwarb man eine zusätzliche Dépendance. Leo Enzmann II. hegte die Absicht, Flühli zu einem Wintersportort zu machen. Leider verstarb er 1907 im Alter von erst 47 Jahren.


Blütezeit von kurzer Dauer


Die Blütezeit des Kurwesens im Hotel Kurhaus Flühli nahm mit dem Ausbruch des 1. Weltkrieges Anfang August 1914 ein abruptes Ende. Zwar kamen nach 1918 und besonders nach 1925 wieder ausländische Gäste nach Flühli, doch nicht mehr in gleicher Zahl wie zuvor. Einschneidend war wiederum der 2. Weltkrieg. Da logierten häufig Offiziere im Kurhaus, denn infolge Festungsbau war da längere Zeit viel Militär zugegen.